Du planst ein Eigenheim in NRW – Neubau, Kauf oder Sanierung? Dann lohnt sich ein Blick auf ein Förderprogramm, das viele gar nicht auf dem Schirm haben:
Das Programm NRW.BANK Nachhaltig Wohnen.
Es richtet sich speziell an Privatpersonen in Nordrhein-Westfalen und kann – richtig eingesetzt – eine echte Ergänzung zu bekannteren Programmen der KfW sein. In diesem Artikel zeige ich Dir, für wen das Programm geeignet ist, was die Voraussetzungen sind und wie Du es sinnvoll mit anderen Förderungen kombinieren kannst.
Das Programm richtet sich an Privatpersonen, die in NRW selbst genutztes Wohneigentum bauen, erstmalig erwerben (Erstbezug) oder sanieren möchten. Entscheidend: Du musst selbst einziehen – oder die Immobilie unentgeltlich an enge Familienangehörige überlassen.
Ein wichtiger Unterschied zu manch anderen Förderprogrammen: Es gibt keine Einkommensgrenzen. Anders als zum Beispiel beim KfW-Programm „Wohneigentum für Familien" steht das NRW.BANK-Programm grundsätzlich allen Privatpersonen offen – unabhängig davon, was Du verdienst.
Für Kapitalanleger oder Vermieter ist dieses Programm also nicht gedacht. Aber wenn Du ein Haus für Dich und Deine Familie planst, ist das Programm sehr wahrscheinlich interessant für Dich.
Das Programm fördert drei Arten von Vorhaben:
Neubau: Du baust ein neues Wohngebäude und willst dabei einen hohen Energiestandard erreichen.
Ersterwerb: Du kaufst eine neu gebaute Immobilie, die einem anerkannten Energiestandard entspricht.
Sanierung: Du modernisierst ein bestehendes Gebäude energetisch – zum Beispiel neue Dämmung, Heizung oder Fenster. Hier fördert die NRW.BANK auch einzelne Maßnahmen.
Wichtig dabei: Das Vorhaben muss einen anerkannten Energieeffizienzstandard erfüllen – dazu gleich mehr.
Das Programm ist an bestimmte energetische Mindeststandards geknüpft. Du musst nachweisen, dass Dein Vorhaben einem der folgenden Kriterien entspricht:
Wichtige Ergänzung zu den oben genannten Punkten: Derzeit fördert die KFW befristet auch den Gebäudestandard „Effizienzhaus 55“, dieser Standard ist bei der NRW Bank jedoch ausdrücklich ausgenommen und reicht damit nicht aus!
Das klingt zunächst nach viel Bürokratie – und ja, ein gewisser Aufwand gehört dazu. Aber der entscheidende Punkt ist: Du wirst die KfW-Förderung ohnehin beantragen, wenn Du sehr energieeffizient bauen oder sanieren willst. Das NRW.BANK-Programm setzt genau dort an und ergänzt die Bundesförderung.
Nach Abschluss des Vorhabens musst Du spätestens innerhalb von 6 Monaten den Nachweis erbringen – entweder durch den Förderbescheid oder durch die Bestätigung eines Energieeffizienzexperten.
Hier sind die wichtigsten Eckdaten:
Darlehensbetrag: Bis zu 150.000 Euro pro Vorhaben. Bei Sanierungen kannst Du bis zu 100 % der förderfähigen Kosten finanzieren, beim Neubau bis zu 50 %.
Laufzeiten: Du kannst zwischen verschiedenen Laufzeiten wählen – von 10 bis zu 35 Jahren beim Annuitätendarlehen (also dem klassischen Darlehen mit gleichbleibender Rate bestehend aus Zins und Tilgung).
Zinssatz: In der Regel liegen die Konditionen unter denen eines klassischen Bankdarlehens. Die aktuellen Zinssätze findest Du auf der Website der NRW.BANK.
Antragstellung: Du stellst den Antrag nicht direkt bei der NRW.BANK, sondern über Deine Hausbank (Hausbankverfahren). Wichtig: Der Antrag muss vor Beginn des Vorhabens gestellt werden.
Das ist aus meiner Sicht der eigentliche Clou dieses Programms – besonders beim Neubau.
Viele Familien, die energetisch bauen oder sanieren, nutzen bereits KfW-Förderungen – zum Beispiel das Kreditprogramm "Klimafreundlicher Neubau (KFN)" oder "Wohneigentum für Familien (WEF)".
Das Besondere: Das NRW.BANK-Programm ist explizit so konzipiert, dass es auf diesen KfW-Förderungen aufbaut.
Beim Neubau wird der Vorteil besonders deutlich. Die KfW fördert klimafreundliche Neubauten im Programm KFN aktuell mit bis zu 100.000 Euro Darlehen – bei einem Gebäude mit QNG-Nachhaltigkeitszertifikat sogar bis zu 150.000 Euro ( das QNG – kurz für „Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude" – ist ein staatlich anerkanntes Zertifikat, das bescheinigt, dass ein Gebäude besonders hohe Standards in puncto Energie, Ressourcen und Wohngesundheit erfüllt. Es wird von akkreditierten Zertifizierungsstellen vergeben und ist Voraussetzung für bestimmte KfW-Förderstufen).
Die tatsächlichen Baukosten deckt auch die höchste KfW-Förderung nur zum Teil ab. Genau hier kommt die NRW.BANK ins Spiel: Mit bis zu 150.000 Euro zusätzlich kannst Du einen weiteren Teil Deiner Baukosten zinsgünstig finanzieren – zu Konditionen, die in der Regel unter denen eines klassischen Bankdarlehens liegen. Den verbleibenden Rest bildest Du dann über ein normales Bankdarlehen ab.
In der Praxis kann eine Neubaufinanzierung also so aussehen:
KfW-Förderung + NRW.BANK-Darlehen + klassisches Bankdarlehen
Drei Bausteine, clever kombiniert. Wer das richtig strukturiert, kann einen erheblichen Teil seiner Finanzierung zu günstigeren Konditionen abbilden.
Mein Hinweis: Ob und wie die Kombination in Deiner Situation sinnvoll ist, hängt von vielen Faktoren ab – Vorhaben, Energiestandard, Finanzierungsstruktur. Das solltest Du individuell prüfen lassen.
Das NRW.BANK-Programm Nachhaltig Wohnen ist kein Selbstläufer. Es braucht etwas Vorbereitung: Den richtigen Energiestandard, den rechtzeitigen Antrag, die passende Dokumentation. Aber wenn Du ohnehin energieeffizient bauen oder sanieren willst – dann ist dieses Programm eine echte Ergänzung zur KfW-Förderung.
Wer die Förderungen geschickt kombiniert, kann seine Finanzierungskosten spürbar senken.
Wenn Du wissen möchtest, ob und wie das Programm zu Deinem Vorhaben passt, melde Dich gerne. Wir schauen uns gemeinsam an, welche Förderungen für Dich in Frage kommen – und wie Du sie optimal miteinander kombinierst.